Vok Dams, Gründer der gleichnamigen Agentur für Events und Live-Kommunikation.
Vok Dams, Gründer der gleichnamigen Agentur für Events und Live-Kommunikation.

„Wuppertal als Innovations-Labor“

Ein Interview mit Vok Dams, Gründer der gleichnamigen Agentur für Events und Live-Kommunikation über das Image der Stadt, eine langfristige Strategie und die Strahlkraft großer Projekte.

Herr Dams, welches Image hat Wuppertal für Sie?
Wuppertal ist eine lebendige Stadt. Eine Stadt im Aufbruch. Mit viel Potenzial, das professionell genutzt werden sollte. Das Image, also der Gesamteindruck, ist sehr heterogen. Es gibt kein einheitliches Bild, also auch kein klares Profil. Damit wird die Stadt der Interpretation unterschiedlicher Sichtweisen und Einstellungen preisgegeben. Was vielfach zu kritischen Bewertungen führt, die sich an aktuellen, auch problematischen Details orientieren.

Warum braucht eine Stadt ein Image?
Eine fehlende strategische Ausrichtung und die Unfähigkeit klare Ziele zu formulieren führen zu Orientierungslosigkeit. Mangelnde Orientierung wird mit Unsicherheit und Unfähigkeit gleichgesetzt. Dies wiederum wird in Kommunen der Politik und Verwaltung angelastet. Mit einer Stadt oder mit einem Unternehmen, das nicht gut geführt wird, möchte man sich nicht solidarisieren. Dort möchte man nicht wohnen, nicht einkaufen, nicht arbeiten. Ein positives Image ist also Voraussetzung für eine erfolgreiche Entwicklung. Das gilt für Städte ebenso, wir für Konzerne, Handwerksbetriebe oder Einzelhandelsgeschäfte.

Die Außenwahrnehmung, das Fremdimage Wuppertals waren in den vergangenen Jahren tendenziell eher schwierig. Woran liegt das?
Wuppertal hat es bisher nicht geschafft, sich eindeutig und klar zu positionieren. Das „Produkt“ Stadt ist beliebig. Austauschbar und wenig nachhaltig. Es fehlt ein Stadtentwicklungskonzept, eine Zielorientierung eine politische, soziale und kulturelle Vorstellung zur weiteren Entwicklung. „Wer das Ziel nicht kennt, kann den Weg nicht finden“, sagt eine Volksweisheit. Aus dieser Situation entwickeln sich ein Gesamt- und Stimmungsbild das den Gesamteindruck nach innen und außen prägt.

Sie sind Wuppertal-Botschafter und Imageträger der Stadt. Welches Image der Stadt versuchen Sie nach außen zu transportieren?
Jedes Produkt hat Stärken und Schwächen. Auch eine Stadt. Es gilt die Stärken Wuppertals herauszuarbeiten und in den Vordergrund zu stellen. Sie zu einem Gesamtbild zusammenzufügen, um ein Profil zu bilden. Ein Profil, das eindeutig ist, wiedererkennbar, sympathisch und attraktiv. Dazu bedarf es einer starken und stetigen Kommunikation. Alle Wuppertal-Botschafter sind Multiplikatoren, die diese Botschaft nach innen und außen tragen. In ihren Netzwerken, bei ihren Zielgruppen. Durch ihr Engagement und ihre Persönlichkeit. Sie unterstützen damit die Arbeit der Wuppertal Marketing GmbH, die mit ihrer Arbeit die Vorlagen liefert. Der Wuppertaler Wirtschaftspreis ist ein bemerkenswertes Beispiel dafür.

Welches Image wünschen Sie sich für Wuppertal?
Wuppertal sollte sich weltoffen, sympathisch, selbstbewusst und leistungsfähig darstellen. Dabei gilt es den Spannungsbogen von dem Unternehmergeist und den Ingenieurleistungen des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart zu schlagen. Von der Schwebebahn zu den Start-ups des W-tec. Von der Universität über die Junior Uni zu Utopiastadt und dem Wuppertal Institut. Eine „Kulturachse“ als kulturelle Klammer könnte die Verbindung deutlich machen. Das eindeutige und klare Profil über die Tal-Achse. Typisch Wuppertal. Eindeutig und unverwechselbar. Mit der neuen B7 und der Schwebebahn, die alle wichtigen Punkte, Sehenswürdigkeiten und Kultureinrichtungen miteinander verbindet und zu einem Ganzen zusammenführt. Der neue Döppersberg ist der Anfang. Ein Symbol für das neue Wuppertal. Eine freundliche, sympathische, lebendige, interessante Stadt.

Welche Qualitäten müsste Wuppertal herausarbeiten, um ein neues Image zu entwickeln?
Weltoffenheit und Leistungsfähigkeit sind grundsätzliche Qualitätsmerkmale. Nicht nur für Politik und Verwaltung. Sie sind Voraussetzung für kreatives Denken und professionelles Handeln. Für den Blick über den Tellerrand und Ehrgeiz etwas möglich zu machen. Es gilt, Zukunft aktiv zu gestalten und nicht zu verhindern. Das neue Wuppertal sollte sich diesen Forderungen stellen. Mit dem Anspruch, besser zu sein als andere Städte, mehr zu wagen als andere Kommunen und innovativer und kreativer in der Umsetzung zu sein. Wuppertal als Innovations-Labor – das wäre der Anspruch, mit dem sich die Stadt eindeutig und unverwechselbar positionieren könnte.

Welche Projekte und Maßnahmen tragen zu einem Imagewandel bei? Können Sie Beispiele nennen?
„Mehr Wuppertal wagen“ wurde anderen Kommunen in der Vergangenheit bereits von der überregionalen Presse empfohlen. Mehr „Tal-Stolz“ empfahlen andere Akteure bei der Verleihung des Wuppertaler Wirtschaftspreises. Eine Veranstaltung der Wuppertal Marketing GmbH, die unter ihrem Geschäftsführer Martin Bang zusehends an Fahrt aufgenommen hat und das Image Wuppertals nachhaltig und positiv prägt. „Wuppertal im Aufbruch“ wird unserer Stadt inzwischen auch von der Regionalpresse bescheinigt und mit der positiven Entwicklung einzelner Projekte belegt. Der sichtbare Umbau des Döppersberg hat dabei Signalwirkung. Flankiert von Baumaßnahmen in der Innenstadt mit geplanten Hotels und neuen Bürohäusern, Grundsatzentscheidungen im Kulturbereich mit dem Pina Bausch-Zentrum, mit Ikea, City-Arkaden oder Outlet-Center, mit Cafés oder Museen, Theater, Skulpturenpark, Luisenviertel oder Zoo. Die Aufzählung lässt sich fortsetzen.

Braucht ein Imagewandel eine Strategie?
Offensichtlich nicht könnte man jetzt süffisant antworten. Denn eine mittel- oder gar langfristige Strategie ist trotz der positiven Entwicklung derzeit nicht erkennbar. Allerdings wissen wir ja: „Wer das Ziel nicht kennt, kann den Weg nicht finden.“ Deshalb bieten viele gute Ansätze letztlich kein einheitliches Bild. Ein Flickenteppich aus den Ergebnissen eines Zufallsgenerators, so scheint es. Oder anders ausgedrückt „Bergisch Pepita“. Das „Neue Wuppertal“, mit dem neuen Döppersberg, kann sich damit nicht zufrieden geben. Eine Qualitätsoffensive Innenstadt, ein Stadtentwicklungskonzept, ein Projekt 2025 sind der Anfang. Der Anfang für ein Strategiepapier, aus dem sich dann auch ein Marketing-Konzept ableiten lässt. Für eine Stadtmarketing auf Augenhöhe mit dem neuen Döppersberg.

Das Interview führte Charlotte Kaulen