Die Arbeitsgruppen haben viele spannende Ideen entwickelt. Foto: Urban Catalyst studio
Die Arbeitsgruppen haben viele spannende Ideen entwickelt. Foto: Urban Catalyst studio

Reden wir über Qualität

Knapp ein Jahr läuft die Qualitätsoffensive Innenstadt Elberfeld, und schon jetzt beweisen die Wuppertaler sich als Experten der Stadtentwicklung und bereichern den Prozess durch innovative Ideen.

Die Zukunftswerkstatt
Wie kann die Elberfelder Innenstadt im Jahr 2035 aussehen? Unter diesem Motto fanden sich am 26. Oktober Vertreter aus Politik, Wirtschaft, dem Einzelhandel und lokalen Interessengruppen im Rathaus zusammen, um über die zukünftige Nutzungsstruktur der Innenstadt zu diskutieren. Schwerpunkte des Treffens waren die Themen Wohnen, Einzelhandel und Kultur. In einer Zukunftswerkstatt versetzten die Anwesenden sich in das Jahr 2035 und überlegten, wie die Gebiete rund um die Hofaue, die Alte Freiheit sowie um das Luisenviertel in knapp 30 Jahren aussehen könnten. Dabei galt es, der Phantasie keine Grenzen zu setzen und jeweils ein „worst and best case“-Szenario für die Teilgebiete zu entwickeln. So wurden die Straßen der City-Mitte im Jahr 2035 zu einer Kanallandschaft mit Wohnraum direkt an der Wasserkante umfunktioniert, und die Hofaue transformierte sich in ein globales Digitalzentrum mit integrierten Drohnenlandeplätzen.

Was auf den ersten Blick wie ein spielerischer Ansatz wirkt, zeigte sich in den Arbeitsphasen als fruchtbare Methode, heutige Qualitäten und Defizite der Gebiete zu hinterfragen und weiterzudenken. Wie wird die Innenstadt aussehen, wenn sich der Leerstand ausbreitet? Welche Bedeutung wird dem Einzelhandel zukommen, wenn in Zukunft online geshoppt wird?

Dies waren nur einige Fragen, die in den Arbeitsgruppen besprochen wurden. In der Auswertung der Szenarien konnten erste Rückschlüsse für die künftige Nutzung Elberfelds gezogen werden. Die Anwesenden wünschten sich, dass der Bereich rund um die Poststraße und den Karlsplatz als Wohnstandort gestärkt wird. Das Luisenviertel soll auch in Zukunft ein kreatives Quartier mit Urbanität und Dichte bleiben, wobei neuen Konzepten wie Coworking-Spaces oder gemeinschaftlichen Gartenflächen Raum gegeben werden soll.

Die Hofaue könnte in Zukunft als innerstädtische Kulturachse an Bedeutung gewinnen. Die Zukunftswerkstatt ist Teil der Qualitätsoffensive Innenstadt Elberfeld, ein umfassender, auf fünf Jahre ausgelegter Beteiligungsprozess, der den Wuppertalern die Möglichkeit gibt, ihre Stadt aktiv mitzugestalten. Geleitet wird die Qualitätsoffensive von einem interdisziplinären Projektteam bestehend aus dem Büros Urban Catalyst Studio, IRI und Zebrablog.

Die Qualitätsoffensive ist eines der 13 Projekte des städtischen Handlungsprogramm „Wuppertal 2025“ und wird von der Stadt mit insgesamt 300.000 Euro finanziert. Die Ergebnisse der Qualitätsoffensive sollen in künftigen Entwicklungs- und Handelsprogrammen umgesetzt werden. Ein Beispiel hierfür könnte ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK) sein.

Der Online-Dialog
Im September und Oktober 2016 waren die Wuppertaler drei Wochen lang aufgerufen, sich beim Online-Dialog der Qualitätsoffensive Innenstadt zu beteiligen. Der Online-Dialog ist eine Internetplattform, auf der Interessierte Anregungen und Ideen für die Elberfelder Stadtentwicklung äußern und miteinander in den Dialog treten können. Dafür brauchten die Nutzer sich noch nicht einmal auf der Plattform anzumelden, sondern konnten Kommentare auch anonym verfassen.

„Der Online Dialog schafft für den Nutzer einen sicheren Raum. Ich glaube, es ist leichter seine Bedürfnisse und Anliegen im Web zu äußern, als bei einer Innenstadtkonferenz vor 150 Leuten aufzustehen und seine Meinung kund zu tun“, sagt Mathis Günther vom Ressort Stadtentwicklung und Städtebau.

An kreativen Ideen hat es beim Online-Dialog nicht gemangelt: Ein Nutzer regte den Abriss des Intercity Hotels an, ein weiterer Nutzer forderte, die gesamte Innenstadt vom Verkehr zu befreien, während ein dritter Nutzer vorschlug, die Rathaus Galerie zum Campus-Gelände umzufunktionieren. Aber auch allgemeine Wünsche für die künftige

Nutzung der Innenstadt wurden geäußert, die die emotionale Verbundenheit der Bürger zu ihrer Stadt zeigen. So schrieb ein Nutzer: Plastikdekorationen, Lametta und aufgebügelte Folien mit Holzdekor – unsere Innenstadt wirkt sehr einfach. Wenn eine Stadt, eine Innenstadt, einen Charakter entwickeln soll, dann müssen wir mehr zulassen: Verschiedenheit, Schräges, Unvorhergesehenes, Kurzzeitiges und nicht nur viele Mülleimer (und) gut zu reinigende Oberflächen (…).“

Wie die Beiträge des Online-Dialogs Einfluss im weiteren Verlauf der Qualitätsoffensive Elberfeld fanden, erklärt Günther am Beispiel des Seniorenkaufhauses. Ein Nutzer äußerte beim Online-Dialog den Wunsch ein Seniorenkaufhaus in der Innenstadt zu errichten. Diese Idee wurde in den folgenden Themenwerkstätten aufgegriffen und zusammen mit den Vertretern der Stadt weitergedacht.

Unter dem Thema „Altersgerechtes Wohnen“ wurde der Frage nachgegangen, wo sich Seniorenwohnen in der Stadt integrieren lässt, damit ältere Menschen in der Nähe von Verkaufsstätten leben können. Der Online-Dialog hat sich als gutes Beteiligungsinstrument erwiesen, das die Stadt auch nach Ende der Qualitätsoffensive weiterführen möchte. Die Plattform gibt allen Bürgern die Möglichkeit, ihre Ideen in den Stadtentwicklungsprozess einzubringen, ohne dabei vor Ort bei Konferenzen oder ähnlichem sein zu müssen. Im kommenden Jahr soll ein weiterer Online-Dialog stattfinden, bei dem erneut alle Wuppertaler mitmachen können.