Sylvia Schmid (links), Leiterin der Busschule. Foto: Wuppertaler Stadtwerke
Sylvia Schmid (links), Leiterin der Busschule. Foto: Wuppertaler Stadtwerke

Fahrendes Klassenzimmer feiert Geburtstag

Seit 20 Jahren fördern die Wuppertaler Stadtwerke mit ihrer Busschule die Sicherheit im Straßenverkehr. 1996 setzte sich das „fahrende Klassenzimmer“ erstmals in Bewegung, lernwil- lige Passagiere im Gepäck. Die erleben bis heute nachhaltig beeindruckende Situationen – und Überraschungen.

Wie oft Sylvia Schmid in ihrem Leben schon hinter dem Steuer eines Busses der Wuppertaler Stadtwerke gesessen, die Türen geöffnet und geschlossen, in den Rückspiegel geblickt, Gas gege- ben und – teilweise mit Wucht – gebremst hat: Das kann sie beim besten Willen nicht zählen. An viele ihrer Passagiere dagegen erinnert sie sich noch gut. Und an die vielen Erlebnisse aus dieser langen Zeit.

„Ich hätte mir nie träumen lassen, dass wir mal 20 Jahre Busschule feiern“, sagt die 51-Jährige im Rückblick. Seit Sylvia Schmid zum ersten Mal einen WSW-Bus zum fahrenden Klassenzimmer machte, unterstützte sie rund 22.000 junge Gäste aus etwa 150 Kindergärten und Schulen der Region bei der Teilnahme im Straßenverkehr.

In den Anfängen hieß das Konzept „WSW kennenlernen“ und sah neben dem bis heute praktizierten Gefahrentraining unter anderem das Abstempeln von Kinderfahrausweisen, Fahrscheinkontrolle, Werkstatt- und Wagenhallenbesichtigung vor. „Wir sind auch gemeinsam Schwebebahn gefahren, teilweise durften die Kinder die Tickets der Fahrgäste kontrollieren“, erzählt Schmid. An die Premiere – bis 2007 betreuten die Busschule mehrere Kollegen gemeinsam – erinnert sich die Mobilberaterin: „Das war spannend. Wir wussten nicht, ob unser Plan aufgehen würde.“

Zur Müngstener Brücke führte diese im Sommer 1996 das WSW- Team und 25 junge Passagiere aus dem Kindergarten Rubensstraße plus Betreuung. „Ein riesiger Bus, drei Erwachsene in Uniform, und die Kinder riefen: Wir lernen Busfahren!“, schildert Birgitt Zinner mit einem Lachen. Bis 2008 leitete die heutige Pensionärin die Einrichtung und nahm bis auf eine Ausnahme jedes Jahr an dem Projekt teil, das seit der ersten Stunde fest zum pädagogischen Plan des Kindergartens gehört. „Damit schließen die Stadtwerke eine wichtige Lücke. Kinder sind die Verkehrsteilnehmer von morgen“, sagt Zinner.

Seit rund zehn Jahren liegt der Fokus des WSW-Verkehrsprojekts rein auf Bussen. Die erlebbar gemachten Lehrinhalte beginnen bei der Begrüßung des Fahrers und reichen von Benimmregeln über sicheres Ein- und Aussteigen und Verhalten während der Fahrt bis zu Notsituationen und totem Winkel außerhalb des Busses. Letzterer bewegt auch die Erzieher und Lehrer als Begleiter der Gruppen.

„Wenn jemand plötzlich ins Sichtfeld springt, hat man keine Chance. Ich saß auch schon am Steuer und bin beeindruckt, wie lang so ein Bus ist und wie viel Verantwortung der Fahrer hat“, sagt Sabine Zündorf, die seit drei Jahren die Schulungstermine für den Kindergarten Rubensstraße organisiert. „Ja, ich fordere auch Erwachsene heraus“, bestätigt Schmid. „Es ist etwas anderes, wenn sie zum Beispiel selbst den Knopf drücken müssen, der die Türen schließt.“

So anschaulich die Mobilberaterin ihren Unterricht gestaltet, – Vollbremsungen, spritzige Kurvenfahrten, durch den Bus fliegende Gegenstände und Benutzung des Nothammers inklusive – so viel Wert legt sie auf die Sicherheit ihrer Schützlinge. Doch deren teils drastische Erfahrungen sind wichtig. Zündorf: „Sofort nach der Busschule praktizieren die Kinder das Gelernte und geben sich gegenseitig Tipps. Sie nehmen unheimlich viel mit.“

Dass die Eindrücke aus der Busschule mitunter ein Leben lang halten, weiß Pensionärin Zinner: „Manchmal sehe ich noch heute vor mir, wie Sylvia Schmid etwas erklärt.“ Für das kommende Jahr hat die Mobilberaterin schon jetzt mehr als 50 Anmeldungen. Sämtliche Einrichtungen kommen nach dem ersten Mal wieder – und neue stoßen dazu. Routine? Nicht für die außergewöhnliche Lehrerin. „Lampenfieber habe ich auch nach 20 Jahren noch.“