Der Laurentiusplatz ist heute einer der schönsten Plätze der Stadt. Foto: Günter Lintl
Der Laurentiusplatz ist heute einer der schönsten Plätze der Stadt. Foto: Günter Lintl

Ein Platz für Kirche

Wie die Laurentiuskirche an ihren heutigen Standort kam, warum ein Kaplan berühmt wurde und wieso die Stadt mit ihrer Planung Weitsicht bewies.

Die ursprüngliche und zumindest in Wuppertal erste Laurentiuskirche liegt tief unter der Erde vergraben – zumindest das, was von ihr übrig ist. Etwas mehr als 500 Meter entfernt vom Laurentiusplatz ist die Citykirche am Kirchplatz auf den Fundamenten der alten Kapelle der Burg Elberfeld gebaut worden. Und eben jene Kapelle ist später die erste Laurentiuskirche gewesen. Zumindest so lange, bis die Reformation die Stadt Elberfeld erreichte, sagt Pastoralreferent Werner Kleine: „Quasi mit dem Westfälischen Frieden 1648 besaß die Katholische Gemeinde in Elberfeld keinen eigenen Kirchraum mehr.“ Erst zwölf Jahre später konnte sie einen kleinen Raum in einem Waagehaus nutzen, dort wo heute das Von der Heydt-Museum steht.

Wiederum zwölf Jahre später wurde an gleicher Stelle die Laurentiuskirche gebaut, die hier lange Zeit ihren Platz hatte. Dass die Laurentiuskirche heute im Luisenviertel steht, ist dem Aufeinandertreffen zweier Ereignisse zu verdanken: Zum einen stürzte um 1800 herum das Dach der damaligen Kirche ein, wobei den Katholiken das Geld für eine so plötzliche Renovierung fehlte. Zum anderen gab es die Pläne der Stadt, Elberfeld um das Luisenviertel ein großes Stück Richtung Westen zu erweitern. So kamen Überlegungen auf, die neue Laurentiuskirche mitten im neuen Wohngebiet am Rande eines großen Platzes zu bauen, den es damals natürlich noch nicht gab. „Das hat man gemacht, um die Katholiken aus Elberfeld raus zu bekommen“, sagt Kleine mit einem Augenzwinkern.

Ob die folgende Geschichte diese nicht ganz ernst gemeinte Vermutung eher belegen oder widerlegen kann, mag jeder selbst entscheiden: Als der Neubau der Laurentiuskirche schließlich ins Stocken geriet (Kirchensteuer gab es damals noch nicht und der Bau wurde überwiegend durch Spenden finanziert) waren es die Evangelen, die mit ihrem Geld halfen, die Kirche fertig zu bauen. Heute wirkt der Bau groß und eindrucksvoll – und auch in seinem Inneren war er bis zum Zweiten Weltkrieg, in dem die Kirche bei einem Angriff vollständig ausbrannte, erheblich prunkvoller gestaltet. So war die Laurentiuskirche, die 2013 zur päpstlichen Basilika minor erhoben wurde (einem Ehrentitel, den der Papst einem besonderen Kirchengebäude verleiht, erkennbar an dem päpstlichen Wappen über dem Eingangsportal) seit ihrer Einweihung 1835 lange Zeit so etwas wie die Keimzelle des katholischen Lebens in Elberfeld.

Platz dafür bot sie ausreichend, mit rund 1000 Sitzplätzen und dem nach wie vor größten Kirchenraum in Wuppertal. Darin gibt es sogar noch eine kleine Reminiszens an ihre Vergangenheit: Hinten links im Kirchenraum steht ein großes Kreuz – es stammt aus der alten Vorgängerkirche am Turmhof. Ebenfalls an ein wichtiges geschichtliches Ereignis erinnert die Kolpingstatue, die rechts vom Taufbecken ihren Platz hat. Adolph Kolping, von 1845 bis 1849 Kaplan an der Laurentiuskirche, ist Namensgeber des Kolpingswerks, einem katholischen Sozialverband, der heute in mehr als 60 Ländern der Welt tätig ist. Als Gesellenverein gegründet, eroberte die Idee, jungen Gesellen einer Gewerkschaft gleich Zusammenhalt und sozialen Anschluss zu bieten, nach und nach Deutschland.

Wesentlich daran beteiligt war übrigens Johann Gregor Breuer, ein Wuppertaler Lehrer und Sozialpädagoge, der 1848 den ersten dieser Vereine in Elberfeld gründete. „Adolph Kolpings Verdienst war vor allem, diese Idee mit an seine nächste Wirkungsstätte nach Köln zu nehmen und dort zu etablieren“, sagt Werner Kleine. Dass die Laurentiuskirche heute nach wie vor ein zentraler Punkt des Luisenviertels ist, ist vor allem der Stadt zu verdanken. Nach dem Krieg lange Zeit schlicht als Parkplatz genutzt, wurde der Laurentiusplatz Ende der 90er-Jahre neu gestaltet. Und wie in anderen Fällen auch, bewies die Stadt hier Weitsicht und – für die damalige Zeit noch ungewöhnlich – Mut zum leeren Raum. Sie verzichtete auf zusätzliche Elemente wie Brunnen und fällte – unter dem Protest der Anwohner – sogar alle noch vorhandenen Bäume.

Die Trauer über die neugewonnene Fläche währte indes nicht lange: Spätestens mit der Eröffnung (es gab einen großen, historischen Jahrmarkt) erkannten auch die Zweifler die Möglichkeiten, die der Laurentiusplatz seitdem bietet. Und auch für Werner Kleine ist der Platz ein echter Glücksfall: „Er ist ein Triumph in unserer Arbeit. Wenn wir unsere Türen öffnen, können wir Kirche ganz einfach lebendig und nah präsentieren – zum Beispiel mit unserer Graffitikrippe oder den Tiersegnungen.“

Doch nicht nur die Laurentiuskirche und der Laurentiusplatz selbst sind interessant, auch die Gebäude ringsherum haben teils spannende Geschichten zu erzählen. Dazu gehört auch das Haus Daniel von der Heydt, in dem sich heute das Café Engel beziehungsweise das Eiscafé Mandoliti befinden. Bauherr und Namensgeber des Gebäudes ist Daniel von der Heydt, Sohn der stadtbekannten von der Heydt-Familie, der sich hier vor 1840 seine neue Residenz errichten ließ. Ursprünglich bestand das Wohnhaus aus einem Gebäudetrakt mit zwei Seitenflügeln, von dem heute nur noch das Haupthaus übriggeblieben ist. Das lässt sich unschwer an den Fassaden der zwei benachbarten Häuser erkennen, die sich deutlich von der klassizistischen Architektur des Haus von der Heydt unterscheiden.

Es ist nicht verwunderlich, dass die Wahl des Ortes für den Bau der Villa auf den Laurentiusplatz fiel. Der Platz hatte im Zuge der Stadterweiterung des Luisenviertels als neuer, zentraler Stadtplatz an Bedeutung gewonnen. Ein Haus in dieser Lage zeugte von Stand und Ansehen. Neben von der Heydt siedelten sich auch andere wohlhabende und namhafte Familien Elberfelds rund um den Laurentiusplatz an. So auch die Familie Meckel, die ihren Wohlstand der Produktion von Seidenwaren verdankte. Das Wohnhaus der Familie Meckel ist auch heute noch am Laurentiusplatz zu sehen, nur zwei Häuser rechts neben dem Wohnhaus von Daniel von der Heydt.

Die wirtschaftliche und politische Bedeutung der Familie von der Heydt reichte über die Stadtgrenzen hinaus bis nach Berlin an den preußischen Hof. August von der Heydt, Bruder von Daniel von der Heydt, wurde 1948 als Minister des Kaisers nach Berlin gerufen. Kaum ein Besucher des Café Engel weiß heute, dass der Kaiser selbst einige Male zu Gast im Haus Daniel von der Heydt war. Unter diesem Gesichtspunkt bekommen ein Besuch im Café Engel einen historischen Beigeschmack. Die Nähe zum Kaiserhof wurde Daniel von der Heydt im Verlauf der Revolution 1848, bei der das Bürgertum für mehr Einfluss kämpfte, zum Verhängnis. Die revolutionären Truppen nahmen von der Heydt gefangen und spekulierten darauf, dass Elberfeld aufgrund der prominenten Geisel nicht von den kaiserlichen Truppen angegriffen werden würde.

Die Taktik ging jedoch nicht auf und die preußischen Truppen ließen nicht lange mit ihrem Angriff auf sich warten. Nach nur zwei Wochender Besetzung verließen die revolutionären Truppen die Stadt – und dass nicht ohne zuvor Daniel von der Heydt ein stattliches Lösegeld abgenommen zu haben.

Heute steht das Haus Daniel von der Heydt unter Denkmalschutz und hat mit den zwei beliebten Cafés eine gelungene, zeitgemäße Nutzung erfahren, die das Gebäude für die Öffentlichkeit zugänglich macht. Nicht nur die Innenausstattung verdeutlicht die historische Bedeutung des Gebäudes, sondern auch die Raumaufteilung: Wer heute das Café Engel betritt, findet zu seiner Rechten einen Treppenaufgang, der in einen Raum auf einer Empore führt. Hier befand sich das alte Pförtnerhäuschen der Villa, das jeder zu Beginn seines Besuches passieren musste.